Bericht zur FIDE Jahrestagung 22.-24.11.2012 von Dr. Eva J. Kantelhardt

Die Frau im Zentrum

 Das Leitthema der diesjährigen Jahrestagung Ende November in Würzburg hat viele Facetten.

Über 70 Ärzte/innen, Hebammen, Student/innen und Gäste kamen zusammen, diskutierten und tauschten Erfahrungen aus. Der Gartensaal im Juliusspital bot dafür die passende Atmosphäre in diesen 2 Tagen. Bei der fränkischen Weinprobe am Abend wurden die Gespräche zwischen langjährigen FIDE-Mitgliedern, interessierten Erstteilnehmern und Gästen aus dem Ausland fortgesetzt.

 Anlässlich der FIDE Jahrestagung gab es auch in diesem Jahr viele Möglichkeiten sich über Erfahrungen in Afrika, Südostasien oder Südamerika auszutauschen, Einsatzmöglichkeiten für Studenten zu diskutieren und sich in sich in verschiedenen Spezialgebieten unseres Faches fortzubilden.

Dass die Frau dabei im Mittelpunkt steht ist in unserem Fach selbstverständlich. Bei Studien zu der mittlerweile großen Zahl an HIV Medikamenten scheint dies weniger klar zu sein– sind die rekrutierten Teilnehmer doch überwiegend Männer! Und besonders bei Schwangeren liegen sehr wenig Daten vor. Zu diesem Thema und der HIV Therapie berichteten Prof. Klinker und Dr. Reitter sehr kompetent.

 Ein weiteres Thema war die Zentrenbildung in allen Teilen der Welt. Aus dem ländlichen Ghana berichtete Dr. Cooper von seiner Klinik, die mit ständig wachsenden Geburtenzahlen umgehen muß. Dr. Cramer stellte das Brustzentrum Würzburg vor, Dr. Kitz die Neugeborenenversorgung unter einfachen Bedingungen und Dr. Kebede aus dem Norden Äthiopiens zeigte die Anfänge der Facharztausbildung an der neueren Universität in Mekelle. Prof. Wacker berichtete vom Fortschritt des Klinikbaus in Burkina Faso – dort entsteht ein Zentrum für die Frau zur Vorsorge, Versorgung und Fortbildung.

Dr. Koebler teilte Eindrücke aus der Anästhesie im ländlichen Tansania und führte erneut vor Augen, wie wichtig auch gerade in der Peripherie engagierte Menschen sind, die sich für eine Gesundheitsversorgung für Frauen und Neugeborene einsetzen. Wie man dabei für Qualitätssicherung sorgt, zeigte Dr. Hansons durch den Bericht eines EU-Projektes in Tansania/Uganda. Gerade unter schwierigen Bedingungen können Probleme durch Versorgungslücken entstehen, wie z.B. eines defekten Blutdruckgerätes oder durch den fehlende Nachschub von Partogrammen.
Dr. Keil berichtete von einer beeindruckenden Initiative in Vietnam, wo einheimische Kollegen in der Urogynäkologie viel leisteten – und nun lediglich die letzte Einarbeitung zur Nutzung von TVT-Schlingen brauchen. Nach nur einem workshop verbreitete sich die Technik inklusive selbst konstruiertem Schlingenmaterial rasant in mehreren Kliniken des Landes.

Dr. Scherbaum zeigte detailliert Umbrüche in Demographie, Epidemiologie und Ernährung in den nächsten Jahren auf. Länder mit geringen Ressourcen sind durch Infektionskrankheiten, chronische Erkrankungen (zB chronische kardiale Erkrankungen nach Infektionen) sowie durch zusätzlichen Umwelteinflüssen wie Innenraum-Staubbelastung und Lebensstil-Veränderungen besonders herausgefordert.

Über das (teilweise vermeidbare) Erregerspektrum bei schwangeren Frauen in Ghana berichtet Prof. Groß. Vernachlässigte tropische Erkrankungen wurden durch Prof. Stich detailliert dargelegt und auch dargestellt, das zunehmendes öffentliche Interesse an diesen Erkrankungen leider nicht automatisch zu einer Verbesserung der Versorgung führt. Trotz etablierter Grundlagenforschung und klinischem Einsatz von Medikamenten fehlt der Anreiz für klinische Forschung in den Ländern des Südens: welche Pharmafirma hat bei minimalem Absatzmarktvolumen Interesse, eine Studie für mehrere Millionen Euro in Afrika aufzulegen? Dr. Legesse aus Äthiopien zeigte spannende Daten einer sehr sorgfältig durchgeführten Untersuchung zu Zervixkarzinom-Vorsorge.

Zu den Highlights gehörte ein Beiträge mit hervorragenden Fotos von Dr. Bertram zum Thema interkulturelle Begegnung am Beispiel Papua Neuguineas, der auch in anderen Einsatzländern, inkl. Deutschland, zum Nachdenken anregte.

Sehr interessante Beitrage hielten 4 Doktoranden, deren Projekte u.a. durch die FIDE gefördert wurden. Frau Maier zeigte dass der Uterusprolaps in Burkina Faso durchaus ein Gesundheitsproblem darstellt. Frau Schindler evaluierte Geburtsverletzungen an 3 Kliniken in Ouagadougou – und zeigte erfreulich niedrige Häufigkeiten. Beide Doktorandinnen werden von Prof. Wacker betreut.

Zwei weitere Doktoranden, beide betreut von Dr. Kantelhardt, berichteten über das Mammakarzinom in Äthiopien: Frau Braun berichtete von der Versorgungslage beim Mammakarzinom in einer ländlichen Region und den Schwierigkeiten der pathologischen Auswertung, währen Herr Zerche Daten vom klinischen Verlauf von 1000 Patientinnen mit Mammakarzinom aufzeigte.

Nach dieser gelungenen Veranstaltung sind wir gespannt auf die Tagung 2013 – vom 1.-2.11.2013 in Heilbad Heiligenstadt! (Eva J. Kantelhardt)

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s